Der Anteil von Frauen in Führungspositionen steigt langsam. Viele Unternehmen planen bereits einen spürbaren Anstieg des Frauenanteils im Top-Management. Welche Maßnahmen sind dabei wirklich hilfreich und welche nur Alibi? Was können Frauen selbst tun, um sich beruflich richtig und dauerhaft zu positionieren? Die wichtigsten Maßnahmen für Unternehmen und die effektivsten Karrieretipps für Frauen.

„Mehr Frauen in Führung ist machbar“: Dieses Fazit des Frauen-Karriere-Index 2015 ist zur Halbzeit des Gesetzes zur Geschlechterquote 2016 in Deutschland eher Vision als festes Planungsziel. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Berliner Beratungsgemeinschaft Kienbaum planen die befragten 175 Unternehmen Erhöhungen ihrer Frauenanteile im Vorstand zwischen 3,2 und 4,1 Prozent. Viele Unternehmen seien damit „auf einem guten Weg“, kommentiert Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, das Ergebnis. Jetzt müsse man den Unternehmen Zeit geben, damit die beschlossenen Maßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen wirken können. Wirklich? Der FKI-Report zeigt auf, dass selbst ambitionierte Unternehmen in der nächsten Zeit nicht mehr als 1 Prozent Steigerung ihrer Frauenanteile über die Führungsebenen erreichen können … Planen und Umsetzen sind zwei verschiedene Dinge.

Grundsätzlich haben viele Entscheider und Personalverantwortliche verstanden, dass Gender-Diversity und damit mehr Frauen in Führung zukunftsentscheidend für den Erfolg ihres Unternehmens sind. Denn:  Digitalisierung, der demographischer Wandel und die Ähnlichkeit der Bedürfnisse sowie Talente von Frauen und Generation Y sprechen einfach für mehr weibliche Führungskräfte. Darauf haben die Experten des Frauen-Karriere-Indexes schon früh hingewiesen.

Diversity: Der Weg ist das Ziel

Der Weg hin zu mehr Frauen in Führungspositionen fordert eine grundlegende Veränderung der eigenen Unternehmenskultur. Nur wenn mehr Frauen und Chancengleichheit über alle Ebenen hinweg nicht Alibi-Vision sind, sondern dieses Ziel Schritt für Schritt systematisch umgesetzt wird, kann eines dauerhaft gelingen: dass weibliche Karrieren in Deutschland Normalität werden.

Dieser Kultur- und Bewusstseinswandel muss im oberen Management eines Unternehmens fest verankert werden und setzt die Bereitschaft sowie das Budget voraus, systematisch folgende Handlungsfelder anzugehen:

  • Kulturelle Prägungen aufzubrechen
  • Den Mental Change voranzutreiben
  • Karrierevoraussetzungen für Frauen systematisch zu verbessern
  • Das Verständnis und die Praxis von Führung im Sinne von Diversity zu reformieren

Dabei helfen den Unternehmen etwa Tools und Analysen des Frauen-Karriere-Indexes (FKI). „Die Arbeitsgemeinschaft Frauen-Karriere-Index (AG-FKI) steht für faktenbasierte Frauenförderung in Führungspositionen und will aktiv die Karrierechancen der Frauen in den Unternehmen fördern“, so Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ihrem Grußwort zu den FKI-Ergebnissen der 4. Erhebungswelle 2015.

Unternehmen sind gut beraten, den ganzheitlichen Change-Prozess mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft anzugehen, um ihn wirklich nachhaltig zu implementieren und Frauenkarrieren sowie eine Unternehmenskultur der Vielfalt und Chancengleichheit Wirklichkeit werden zu lassen. Mit mehr Frauen in Führungspositionen steigern Arbeitgeber ihre Attraktivität und Unternehmen ihre Rendite. Umgekehrt wirken Karrierefrauen als Vorbilder in die Gesellschaft und Arbeitswelt hinein. Was sind ihre wichtigsten Botschaften?

Frauen in Führung: Karriere einfach machen!

Kulturelle Prägung, Führungsverständnis und die sogenannten Gender Bias, also die „geschlechtsbezogenen Verzerrungstendenzen“ lassen sich natürlich nicht per Knopfdruck abstellen. Chancengleichheit in der Arbeitswelt und das große Ziel „Mixed Leadership“ zu erreichen, fängt immer im Kopf des Einzelnen und des Unternehmens an. Auch bei den Frauen selbst ist hier noch Luft nach oben. Laut zahlreichen Studien helfen Frauen folgende Strategien am besten beim Aufstieg in eine Spitzenposition:

  • Flexible Zeit- und Arbeitskonzepte wie Tandem-Modelle bei der sich zwei Führungskräfte eine Stelle teilen – so bleibt Raum für Familie & Co. und den eigenen Lebensentwurf
  • Die Verstärkung eigener Netzwerk- und Karrierekompetenzen schafft mehr Präsenz
  • Das Aufbrechen tradierter Mentalitätsmuster fördert Diversity und Individualität

“Was Frauen in Führungspositionen wirklich wollen, ist schlicht und einfach: Karriere machen zu können, und zwar individuell und potenzialbezogen.“

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Es sollte ganz normal sein und nicht außergewöhnlich. So, wie sich das die Mehrheit der Generation Y auch wünscht.

Was können Frauen mit Karrierewunsch selbst dazu beitragen, damit Beruf und Privatleben in Deutschland nicht mehr „vereinbart“ werden müssen, sondern einfach gut gelebt werden können?

Die wichtigsten Karrieretipps für Frauen

„Die Hürde für Frauen ist nicht mehr das Reinkommen in die Unternehmen – die Hürde ist immer noch das Hochkommen“, konstatiert Karrierecoach Barbara Schneider. Die Autorin des Buches „Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf: Wie Frauen in Führung gehen“ hat gute Karrieretipps für Frauen identifiziert. Hier die wichtigsten:

Erstens: Vernetze Dich überall!

Frauen und Männer netzwerken unterschiedlich. Nicht reine Frauennetzwerke bringen es, sondern die Nutzung der Gelegenheiten von der Kaffeeküche über den Konferenztalk bis zum Sport mit der Kollegin ist ideal, um sich gut zu verkaufen: „Jeder ist ein Botschafter seiner Leistungsprozesse“ – und muss es auch sein, so Schneider, wenn er Karriere machen will. Frauen müssen also stärker lernen „Kommunikation karriererelevant zu betreiben“.

Zweitens: Nutze Deine Gelegenheiten!

Wer Karriere machen will, der muss handeln. Und sein eigener Karrieremotor sein – das gilt für jedes Geschlecht. Kind, Partner, Eltern und Umfeld – diese Faktoren können immer dann Bremser bei eigenen Entscheidungswegen sein, wenn man zu stark auf sie schielt. Einfach mal machen und lösungsorientiert denken, sollte stattdessen die Devise lauten. Dann klären sich Dinge und Lebensumstände und werden machbar. Eine zentrale und notwendige Erfahrung für jede Führungskraft.

Drittens: Zeige Dich!

Ein ganz wichtiger Karrieretipp für Frauen: rauskommen und performen. Und zwar geschickt und souverän. Das kann man lernen. Vor allem durch die ständige Bereitschaft, sich auszuprobieren, sich im Unternehmen aber auch öffentlich mehr zu zeigen. Aus Angst vor der eigenen Courage nehmen sich Frauen hier oft zurück oder interpretieren diese Verkaufs-Strategie der eigenen Stärken als „männlich“. Ist sie aber nicht – perfekte Performance ist eines der mächtigsten Tools für den Durchmarsch nach ganz oben.

Viertens: Bleib am Ball!

Der Weg an die Spitze ist steinig. Für Frauen mit Karrierewunsch ist es wichtig, aus tradierten, passiven Haltungen auszubrechen. Kein Prinz, keine Quote muss kommen, um privates oder berufliches Glück zu ermöglichen – Frau ist ihre eigene Prinzessin und Karriereschmiedin. Für den Thron braucht es immer langen Atem. Nicht die Familienplanung steht da im Weg, sondern die eigene Haltung. Nach der Babypause wieder einsteigen und Verantwortung übernehmen? Das geht dann, wenn man dran bleibt an den Kollegen, genauso wie an der eigenen Karriere. Und eben Karriere mit Kind als normal empfindet und nicht als Gegensatz oder Bürde. Diese Schere gehört raus aus unseren Köpfen.

Fazit: Frauen in Führungspositionen fördern und fordern

Wie bringen Unternehmen also mehr Frauen in Karrieren? Indem sie umdenken. Hin zu mehr Vielfalt, hin zu einer Diversity-fördernden Unternehmenskultur. Und indem sie die Frauen nicht nur mitnehmen, sondern aufrufen, für ihre eigene Karriere und ihren individuellen Lebensentwurf ebenfalls Flexibilität zu zeigen und die eigene Führungskompetenz souverän zu optimieren. Unternehmen und die Frauen selbst sind gemeinsam in der Pflicht, den Weg für mehr weibliche Karrieren aktiv zu gestalten.

 

Jetzt den Change-Prozess für mehr Frauen in Führungspositionen in Ihrem Unternehmen starten!

 

 

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