Die Generation Y tickt anders. Die High Potentials und Digital Natives aus dem Pool der Jahrgänge 1980 bis 2000 haben digitale Techniken und einen neuen Lifestyle mit der Muttermilch aufgesogen. Sie leben die vierte industrielle Revolution ganz selbstverständlich und suchen nach der optimalen Life-Work-Balance. Dabei decken sich die Antreiber der Führungskräfte von morgen beruflich wie privat verblüffend mit denen moderner Frauen.

Die Digitalisierung in Deutschland kommt voran. Sie hat alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche erfasst. Alles ist dynamischer, vernetzter und individueller geworden. Arbeit 4.0 ist das Schlagwort der Stunde. Wenn Personalentscheider heute und morgen die Nase vorn haben wollen im War of Talents, müssen sie ihrer Zielgruppe attraktive Jobs bieten. Und die wählen die High Potentials danach aus, ob sie ihnen gut tun. Führungskräfte wie Frauen der neuen Generation favorisieren das neue Konzept „New Work“. Was verbirgt sich dahinter?

New Work: Arbeiten der Zukunft

New Work ist das zentrale Leitwort in Zeiten von Arbeit 4.0 und Work-Life-Balance. „Digital ist the new normal“, hat Frank Van Massenhove, Präsident des belgischen Sozialministeriums, die Mentalität der Generation Y beschrieben, die er bei der Reform seiner Behörde bedacht hat. Das Motto macht sehr schön klar, dass die neue Art zu arbeiten schon jetzt Gegenwart sein sollte. Für viele Unternehmen aber ist „New Work“ noch Zukunftsmusik. Was muss sich ändern?

„Klassische Konzepte von Arbeit, die Zeit, Raum und Organisation betreffen, müssen neu gedacht werden“, sagen die New Work-Blog-Experten von Social Trademark aus Köln. Denn klarer als unsere Mütter und Väter strebt die Generation Y vor allem nach einem: Selbstverwirklichung.

Wer hier als Unternehmen innovative Modelle von Arbeit anzubieten hat, der ist auf dem richtigen Kurs. Und der heißt grundsätzlich: New Work.

Wie der Frauen-Karriere-Index herausgefunden hat, sind es gerade Frauen, die einen großen Anteil am Veränderungsprozess in Richtung New Work in Unternehmen haben. Ihre verstärkte Präsenz in Leitungsfunktionen eines Unternehmens zeigt der Generation Y an, dass traditionelle Modelle von Arbeit im Wandel sind. Aber nicht nur die Frauen vor Ort verändern ein Unternehmen (vorausgesetzt, es sind ausreichend viele), sondern bereits die Veränderungen, welche notwendig sind um mehr Frauen in Führung zu bringen. Ohne Transparenz, neue Überlegungen und Maßnahmen bewegt sich nichts. Transparenz und neue Ideen sind auch das, was die Generation Y tagtäglich in der Netz-Kommunikation erlebt und nicht bereit ist wieder aufzugeben. Gerade Transparenz, Meinung und Bewertung sind für viele Unternehmen aber auch eine große Herausforderung, die oft der gelebten Unternehmenskultur widerspricht. Frauenförderung lohnt sich. Sie lohnt sich auch deswegen, weil sich die Kriterien, nach denen High Potentials ihre Karriere ausrichten, verblüffend mit denen moderner Frauen decken. Intelligente Frauenförderung lohnt sich sogar doppelt: Schauen wir uns genauer an, warum und wie.

Arbeit 4.0: Anerkennung statt Auto

Für HR-Berater Martin Claßen hat ein Paradigmenwechsel bei den zentralen Antreibern der Generation Y stattgefunden. Geld-Macht-Status – diese Dreifaltigkeit definierte in der Generation unserer Väter und Mütter den Erfolg in der Arbeit, der auf das Privatleben abstrahlte: Das dicke Auto vor der Garage demonstrierte für die Nachbarn und alle Welt Wohlstand und Karriere. Heute sind es ganz neue Motivatoren, die unseren Nachwuchs zu Höchstleistungen bewegen.

Laut einer Untersuchung des Trendforschers Peter Wippermann sei die neue Trias der Generation Y eher Gesundheit-Freizeit-Erfolg. Das hieße – um im plakativen Bild zu bleiben: Es geht Top-Talenten heute unisono weder um das Auto vor noch in der Garage. Sondern um Dynamik, Bewegung und Flexibilität auf allen Ebenen. Und das immer individuell auf den Menschen und seine Ziele bezogen. Die Nachfolger der Generation Y, die Smartphone-Generation „I“ wird das eigene Ich und Ego noch stärker in den Fokus stellen. Bereiten Sie sich als Unternehmen darauf vor. Und nehmen Sie dabei die Frauen stärker ins Blickfeld.

Was motiviert die Generation Y am stärksten? Nach Martin Claßen ist das statt Geld die im Idealfall tägliche Wertschätzung. Sie geht immer einher mit der Würdigung des eigenen Lebenskonzepts. Das ideale Talentmanagement zur gezielten Ansprache von High Potentials bietet demnach Anreize mit Arbeitskonzepten, die eine weitere Trias der Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt stellen: Selbstständigkeit, Freiheit sowie die Teilhabe an gesellschaftlichen und unternehmerischen Prozessen.

Parallele Ziele: Frauen und Generation Y

Unternehmerische Maßnahmen, die Frauenkarrieren begünstigen, sind ebenso ansprechend für die begehrte Generation Y. Das belegen die FKi-Auswertungen von über 100 Unternehmen, die Frauenförderung strukturell in ihren Zielen und im Management verankert haben. Warum gibt es diese Parallelität der Wünsche und Visionen von Generation Y und Frauen? Ich glaube, das liegt in erster Linie schlicht daran, dass tradierte Rollenmuster aufbrechen. Beide Geschlechter haben sich in ihrem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis in den letzten Jahrzehnten immer stärker angenähert.

“Was wollen junge Frauen heute?“

Twittern WhatsApp

Dieser Frage ist die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) zusammen mit dem DELAT-Institut für Sozial- und Ökologieforschung in einer aktuellen Studie nachgegangen. Das milieuübergreifende Top-Thema für Frauen bleibt die sogenannte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Hier liegt eine der zentralen Parallelen zum New Work-Anspruch der Generation Y.

Bemerkenswert an der FES-Studie ist noch ein weiteres Ergebnis: Es gibt eine neue Haltung, die sich laut Studienleiter Carl Wippermann, bei modernen Frauen abzeichnet: Sie wollen keine explizite „Frauenförderung“, sondern sich ihren Platz im Unternehmen und der Gesellschaft autark erarbeiten und erwarten, dass es keine Hindernisse gibt. Intelligente Förderung von Frauen in Karrieren zeichnet sich somit durch das Abschaffen von Hindernissen und die positive Unterstützung aus.  Das setzt im Unternehmen eine neue Kultur der Selbstverständlichkeit von Familie und Beruf, aber auch Transparenz in den Auswahlprozessen und der Förderungskultur voraus. Wer diese Kultur lebt, der gewinnt: Denn High Potentials der Generation Y ticken bezüglich der Work-Life-Balance ähnlich wie Frauen.

Das zweite Top-Thema junger Frauen: Die hohe Symbolkraft weiblicher Führungspositionen. Mehr Aufstiegschancen für weibliche Top-Talente, dafür plädierten die Befragten der DELAT-Studie übrigens in allen Milieus. Für mich ein deutlicher Beweis, dass Karrierefrauen mentalitätsübergreifend als Motoren des Wandels wahrgenommen werden – aber auch, dass hier noch viel zu tun ist.

Karriere-Frauen als Ikonen der New Work

Zusammengefasst können wir erkennen: Wer Frauen fördert, bietet damit gleichzeitig unternehmerische Anreize für Leistungsträger der Generation Y, einer der begehrtesten aller Zielgruppen.

Darum bietet sich für erfolgreiche Recruiting-Strategien von High Potentials auch der Frauen-Karriere-Index als Planungs-Instrument an. Insbesondere in der Frage, was sind intelligente Strategien um Veränderungen zu unterstützen und Unternehmensprozesse unvoreingenommen und ohne künstliche Hürden für Frauen zu gestalten.

 

Noch ein interessanter Aspekt zum Schluss: US-Forscher haben untersucht, was High Potentials auszeichnet. Die Studie der Harvard Business School kommt zu dem Ergebnis, dass es vor allem Glaubwürdigkeit in Verbindung mit einer hohen emotionalen und sozialen Kompetenz ist. Diese Schlüsselqualifikationen benötigten Nachwuchskräfte für Top-Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten in besonderem Maße: Nur damit seien diese nämlich in der Lage, Wandel und Fortschritt eines Unternehmens herbeizuführen. Auch hier sehe ich eine Parallele von Generation Y und Frauen: Selbstverwirklichung als das oberste Ziel der Life-Work-Balance setzt auf Authentizität. Emotionalität und soziale Kompetenz sind Felder, auf denen Frauen besondere Talente aufweisen.

Fazit: High Potentials und Generation Y ticken im Bezug auf New Work in gewisser Weise weiblich. Viel Engagement dieser Zielgruppe bekommt man, wenn es Spaß und Sinn macht, Leben und Arbeit zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Kind oder Karriere, das kann für High Potentials beider Geschlechter nicht mehr die Frage sein. Kind und Karriere ist eine Schlüssel-Option, die erfolgreiche New Work-Unternehmen ihren Top-Talenten anbieten.

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?