Die Digitalisierung unserer Welt ist in vollem Gange. Industrie 4.0 und das Internet der Dinge bieten speziell Frauen neue Möglichkeiten, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen. Die Karrierechancen, die sich jetzt bieten, sollten Frauen kennen und nutzen. Ich stelle Ihnen die wesentlichen Pluspunkte des digitalen Fortschritts vor.

Erfolgreiche Zukunft entsteht nicht durch Zufall. Fortschritt in Wirtschaft und Kultur ist immer Arbeit und Strategie von klugen Köpfen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige tun. Silicon Valley ist so ein Ort. Schon vor Jahrzehnten haben die Kalifornier erkannt, dass die neue Welt nicht nur digital sondern interaktiv sozial sein wird. Heute gibt ihnen die Digitalisierung und Transformation der Gesellschaft Recht. Mark Zuckerberg behauptet sogar: „Die virtuelle Realität wird das soziale Netzwerk der Zukunft“.

Soweit ist es noch nicht, aber wir sind auf dem Weg. In einer Studie von MIT, Sloan Management Review und Deloitte gaben 90 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass ihr Unternehmen im Prozess der digitalen Transformation sei. Nur 44 Prozent aber fühlen sich auf die bevorstehenden Veränderungen gut vorbereitet. Die digitale Revolution verändert alles in unserer Arbeitswelt. Explizit stellt sie die Weichen für weibliche Karrieren neu. Wo liegen die Chancen und Herausforderungen für Frauen? Klären wir zunächst, was Digitalisierung überhaupt für unsere Gesellschaft bedeutet.

Digital Excellence bietet Frauen neue Möglichkeiten

Die Digitalisierung ist auch bei uns längst in Home und Office angekommen. Im Rahmen von Digital Excellence sollten Frauen zwei Dinge und Prozesse kennen:

  • Das Internet der Dinge (Internet of Things) beschreibt den Prozess, Gegenstände mit Computertechnik auszustatten, um sie smart für den Menschen zu nutzen. Intelligente Dinge sind etwa Fitnessarmbänder, selbstfahrende Autos oder IT-gestützte Lichtsysteme, die sich dem menschlichen Biorhythmus anpassen.
  • Industrie 4.0. beschreibt den Prozess, sämtliche Bereiche in der Produktion und Logistik von Produkten und Dienstleistungen zu digitalisieren und miteinander zu vernetzen. Die gesamte Wertschöpfungskette sowie sämtliche Kommunikation zwischen Unternehmen, ihren Kunden, Mitarbeitern und Partnern sind in diesen Vorgang einbezogen. Dieser tiefgreifende Wandel unserer Welt wird deshalb auch als „vierte industrielle Revolution bezeichnet“.

Wer sich den Herausforderungen der Digitalisierung nicht stellt, der schließt sich von dieser Entwicklung aus.

“Digital Excellence sollte daher für jedes Unternehmen das Gebot der Stunde sein.“

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Frauen bringt die Digitalisierung neue Möglichkeiten und eine nie gekannte Freiheit, in Berufen ihren Weg zu machen, die man bislang eher für Männerdomänen hielt – wie die IT-Branche und das Ingenieurwesen.

Digitalisierung: Mehr Freiheit und Führungschancen für Frauen

„Die Digitalisierung ist für Frauen so etwas wie es die Pille in den Sechziger Jahren war: Sie eröffnet alle möglichen Freiheiten“, sagte Sylvia Coutinho, brasilianische Chefin der Großbank UBS kürzlich auf dem „Global Summit of Women“ in Warschau. Fest steht, dass es die Digitalisierung den Frauen ermöglicht, sich zu bilden, flexibler zu arbeiten und Fähigkeiten wie soziale und kommunikative Kompetenz als Karriere-Trigger nutzen zu können.

Gerade das sind ja die Top-Talente der Zukunft, wie Studien immer wieder belegen. Entscheider fordern sogar mittlerweile selbst immer öfter, dass in allen Bereichen neben IT-Kompetenz auch die sozialen Fähigkeiten in ihrem Unternehmen ausgebaut werden müssen, um das Ziel der „digitalen Kongruenz“ zu erreichen. Dieser „Einklang von Unternehmenskultur, Mitarbeitern, Aufgaben, Strukturen und Strategie“ ist die Digital Excellence, um die es geht. Sie erfordert mehr Mitarbeiter und Führungskräfte mit den dafür nötigen Soft Skills und großer Kommunikationsfähigkeit. Frauen und Digitalisierung – das ist eure Zeit!

Frauen & Digitalisierung: Pluspunkte & Performance

Analysten der bemerkenswerten Studie „Getting To Equal – How Digital is Helping Close the Gender Gap at Work“ von Accenture haben Daten von 4.900 Befragten aus 31 Ländern ausgewertet. Hinsichtlich der „Digital Fluency“ (Nutzung digitaler Kompetenzen) haben demnach die Niederländerinnen, Skandinavierinnen und US-Amerikanerinnen die Nase vorn. Deutschland liegt im Mittelfeld. Die deutschen Studienteilnehmer sind aber zu über 60 Prozent optimistisch, dass die Digitalisierung auch bei uns zu mehr Angleichung der Karrierechancen beider Geschlechter führen wird. Was spricht weltweit für die Frauen?

  • Ihre Bildung: Frauen haben Männer inzwischen bei der formalen Bildung in jedem zweiten Land überholt!
  • Ihr Karrierewille: Bereits Sechs von 10 Frauen in den Schwellenländern möchten sich in den nächsten 5 Jahren selbständig machen
  • Ihre Top Talente und Soft Skills wie Empathie, Teamfähigkeit, soziale Interaktion und Kommunikationsfähigkeit
  • Die Entgrenzung der Arbeit flexibilisiert den Arbeitsplatz, ermöglicht Homeoffice-Modelle und neue Zeitsysteme

Frauen haben das Zeug, gute „Chefinnen 4.0“ zu werden. 71 Prozent der Befragten der Studie des Consulting-Unternehmens Accenture gaben an, dass die Digitalisierung die Zukunftsaussichten ihrer Töchter verbessere. Ein wichtiges Indiz für den Wandel: Bei den Frauen der Generation X (Jahrgänge 1965-1979) hat jede zweite einen formalen Bildungsabschluss: In der Generation ihrer Mütter war es nur jede Vierte!

Fazit: Die Digitalisierung kann der Karriere-Beschleuniger Nummer 1 für Frauen Nummer sein.

Sandra Babylon, verantwortlich für eine „Woman Initiative“, gibt sogar die Vision aus, dass die Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz schon 2040 statt 2065 Realität sein könnte. Voraussetzung: Regierungen und Unternehmen müssten „die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden“. Ich fände es phantastisch, diese offene, vernetzte Welt mit gleichberechtigten Karrieren von Männern und Frauen zu erleben.

Grund für weiblichen Optimismus gib es jede Menge. Das zeigt auch eine gemeinsame Studie der TU München und der University of Hong Kong. Sie setzte die Aktienkurse von Companies aus 50 Ländern in Relation zum jeweiligen Frauenanteil im Vorstand. Ergebnis: Unternehmen mit weiblichen Vorständen und Aufsichtsräten dotierten an der Börse höher. Die Leistungen der wenigen Frauen, die es an die Spitze geschafft hatten, wurden offenbar stärker gewichtet als die der männlichen Kollegen.

Digital Excellence für Frauen: Aus Stereotypen & Vorurteilen aussteigen

Apropos Leistung: Die Digital Excellence der Zukunft erfordert gerade von den Frauen selbst ein Umdenken und eine Neuausrichtung ihres beruflichen Handelns. Die Digitalisierung kann und sollte Frauen endgültig aus der Vorurteilsfalle holen: Mit dem digitalen Umbruch von Arbeit haben Frauen neue Entwicklungsperspektiven in technischen und MINT-Berufen. Aber: Die Frauen müssen sie auch nutzen! Bislang liegt hier der Frauenanteil häufig unter 10 Prozent.

Ein großes Plus für Frauen in der Digitalisierung könnte ihr Verkaufs- und Netzwerktalent werden. Das prognostiziert etwa das Projekt „Frauen in Karriere“ des ISF München und der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Studien oder Ausbildungen wie Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurswesen stellen sich neu auf: „Community-orientierte Kommunikations- und Kollaborationsumgebungen werden zur Basis neuer „Öffentlichkeiten“ – mit neuen Möglichkeiten, sich zu vernetzen und zu positionieren.“

Da Software und Soft Skills im Zuge der Digitalisierung in jedem Berufszweig immer wichtiger werden, sind auch klassischere Frauenberufe im Verkauf und der Beratung im Umbruch. Sie werden online wie offline komplexer und attraktiver für Frauen.

Mobiles Netzwerken: Management im digitalen Zeitalter

Netzwerken und Kommunikation – zwei Schlüsselqualifikationen, die jedes Management im digitalen Zeitalter braucht und fördern sollte. Aber aufpassen, es gibt neue Fallen: Wie Alexandra Borchert kürzlich in der Süddeutschen Zeitung klar machte, helfen Mobilität und Home-Office-Frauen eindeutig in der Berufswelt, aber sie müssten in Unternehmen sichtbar und wirklich für die Kollegen und Kolleginnen im realen Dialog und Miteinander bleiben.

Wichtig für das Management von Zeit, Projekten und Karrieren als Digital Excellence Strategie sind für Frauen (und Männer) vor allem drei Dinge:

  • die Unkultur der permanenten Verfügbarkeit durch eine kluge Life-Work-Balance zu ersetzen
  • neben Leistung auch auf das eigene Potenzial zu setzen und nicht reine „Arbeitsbiene“ sein zu wollen
  • Sichtbares Netzwerken mit realen Menschen ganz oben auf der Agenda Arbeit 4.0. zu halten und zu leben

Das ist der Grund, warum einige deutsche Unternehmen das Potenzial von Frauen und Digital Excellence schon lange erkannt haben und seit vielen Jahren aktiv am FKi teilnehmen. 

 

Stichwort Potenzial: Frauen, so Alexandra Borchert, werden eher „nach Leistung befördert, Männer nach Potenzial“. Auch hier bietet die Digitalisierung Frauen die Möglichkeit, aus alten Mustern auszubrechen: Werdet mutiger und glaubt an eure Stärken! Bewerbt euch auf Stellen, die Traumberufe werden könnten. Männer haben euch schon immer gezeigt: Es kommt nicht darauf an, alles zu können – sondern alles zu wollen. In diesem Sinne wünsche ich jeder Frau bei ihrer Digital Excellence-Strategie einen Spickzettel am Spiegel, der ihr immer wieder sagt: Pimp Dein Potenzial!

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